Prien das bekannteste Gesicht, Claus weitgehend ohne Profil
Von den vier gehandelten Kandidatinnen für das Bundespräsidentenamt ist Karin Prien nach einer Medienanalyse von Media Tenor die Politikerin, die in den vergangenen Monaten die breiteste mediale Strahlkraft entfaltet hat. Sie hat die größte Medienpräsenz und konnte diese durch ihre Rolle als Bildungsministerin im Kabinett Merz nutzen, sich ein Profil zu erarbeiten. Dies gilt in ähnlicher Weise für Julia Klöckner, die als Bundestagspräsidentin seit Mai 2025 via Medien der Öffentlichkeit präsent ist, auch aufgrund ihrer resoluten Ausfüllung des Amtes.
Ilse Aigner und Ines Claus dagegen können nicht in dieser Art auf einen „Medienbonus“ aufbauen. Sie waren in den vergangenen Monaten kaum sichtbar und sind erst in den letzten Wochen in Erscheinung getreten. Aigner allerdings mit einem ausgesprochen positiven Profil, maßgeblich gesteuert von der Unterstützung des bayerischen Ministerpräsidenten Söder.
Anders als der Ministerin und der Bundestagspräsidentin fehlt dem Themenprofil von Aigner und Claus auch die sachpolitischen Tiefe. „Den wenigsten Menschen dürfte klar sein, wofür Aigner und Claus stehen und wie sie ihr Amt ausfüllen würden im Falle einer Wahl“, erklärt Roland Schatz, Gründer und Chef von Media Tenor International. „Lobeshymnen eines Förderers reichen nicht, um ein politisches Profil in der Öffentlichkeit zu erreichen.“
Das hatte besonders einer der Vorgänger im Amt deutlich besser gemacht: Joachim Gauck. Er hatte durch sein Engagement und seine klare politische Haltung ein über die Parteigrenzen hinweg großes Ansehen und breite Unterstützung, die er auch über die Jahre im Amt konservieren konnte. Horst Köhler ist dies auch gut gelungen. Dem amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier fehlt es allerdings an Sichtbarkeit und klarer Profilierung.
